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JUNG Erlaa

JUNG Erlaa

Abstract background featuring a soft gradient in different colors.

Förderstelle

The logo of the Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft - Leuchttürme der Wärmewende 2024

Förderbetrag

555.000€

Konsortium

  • Institute for Building Research & Innovation

  • GESIBA Gemeinnützige Siedlungs- und Bauaktiengesellschaft

  • Universität für Bodenkultur Wien Institut für Verfahrens- und Energietechnik

  • wohnbund:consult

Kurze Zusammenfassung

JUNG Erlaa ist die Fortsetzung des Sondierungsprojektes Decarb Alt Erlaa und begleitet die Transformation des Wohnparks Alt Erlaa zu einem Leuchtturm der Wärmewende wissenschaftlich, mit Fokus auf thermische Sanierung, Wärmepumpensysteme, optimierte Betriebsführung, soziale Einbindung der Bewohnerschaft, Risikoanalyse sowie standortnahe CO2 Senken durch Pyrolyse.

Ziele

Das Projekt JUNG Erlaa (Langtitel: JUNG Erlaa - Transformation des Wohnparks Alt Erlaa zum Leuchtturm der Wärmewende) zielt auf die wissenschaftliche Begleitung der schrittweisen thermischen Sanierung und Dekarbonisierung des Wohnparks Alt Erlaa ab. Im Mittelpunkt steht die Umstellung der fossilen Wärmeversorgung auf ein multivalentes Wärmepumpensystem mit Anergienetz und lokalen Umweltenergiequellen wie Erdwärmesonden, Abwasser und Abluft sowie die Reduktion des Wärmebedarfs durch bauliche Maßnahmen.

Ziel ist es, eine technisch robuste, wirtschaftlich tragfähige und sozial akzeptierte Umsetzung im großvolumigen Wohnbau zu ermöglichen und dabei allgemein übertragbare Erkenntnisse für vergleichbare Bestandsquartiere abzuleiten. Dazu werden optimale Betriebsführungsstrategien (inklusive prädiktiver Regelung und digitalem Zwilling), Speicheroptionen sowie Potenziale zur sommerlichen Temperierung untersucht und im Realbetrieb bewertet. Parallel werden Planungs-, Errichtungs-, Inbetriebnahme- und Betriebskosten systematisch analysiert, um belastbare Grundlagen für Betreiber- und Wärmeliefermodelle zu schaffen.

Ein weiteres Ziel ist die proaktive Einbindung der Bewohnerschaft zur Sicherung der hohen Wohnzufriedenheit während der Bau- und Umstellungsphase. Ergänzend werden standortnahe CO2 Senken, insbesondere Pyrolyse biogener Reststoffe, zur Kompensation verbleibender Restemissionen vertieft geprüft.

Methodik

Die Methodik verbindet technische, ökonomische und sozialwissenschaftliche Ansätze im großvolumigen Wohnbau.

Im technischen Bereich wird die Umstellung der Heizung auf ein Wärmepumpensystem mit Anergienetz durch Monitoring, Betriebsdatenerfassung und simulationsgestützte Analyse begleitet. Ein digitaler Zwilling koppelt die Gebäude- und Anlagensimulation mit Echtzeitdaten, um Regelstrategien wie die prädiktive Regelung und KI-Optimierung zu testen. Unterschiedliche Betriebsweisen, Speicheroptionen sowie Ansätze zur sommerlichen Temperierung werden vergleichend bewertet. Parallel dazu wird die optimierte Heizlastauslegung anhand von Plan- und Ist-Daten evaluiert.

Ökonomisch wird eine laufend aktualisierte Vollkostenanalyse durchgeführt. Investitions-, Betriebs-, Wartungs- und Energiekosten werden systematisch erfasst und mit Effizienzkennzahlen verknüpft. Betreiber- und Vertragsmodelle werden hinsichtlich ihrer Anreizstrukturen und ihrer langfristigen Optimierung analysiert.

Mithilfe von Befragungen, Beteiligungsformaten und Reallaboren werden aus sozialwissenschaftlicher Perspektive Akzeptanz, Informationsbedarfe und Nutzungsverhalten untersucht.

Die strategische Risikoanalyse wird als iterativer Prozess fortgeführt. Dabei werden identifizierte Risiken dokumentiert, bewertet und mit real eingetretenen Ereignissen abgeglichen, um belastbare Erfolgsfaktoren und Risikofaktoren für vergleichbare Transformationsprojekte abzuleiten.

Ergebnisse

Das Projekt JUNG Erlaa ist die erste umfassende wissenschaftliche Begleitung einer konzertierten thermischen Sanierung und Heizungsumstellung einer großvolumigen Wohnanlage mit rund 3.200 Wohnungen. Es werden belastbare, praxisvalidierte Erkenntnisse für die Dekarbonisierung des mehrgeschossigen Bestands erwartet.

Der Wohnpark Alt Erlaa

© Eveline Tilley

Im technischen Bereich entstehen validierte Simulationsmodelle und Monitoringdaten aus mehreren baugleichen Wohntürmen. Unterschiedliche Regelungsstrategien, insbesondere prädiktive Ansätze und KI-Optimierung, werden im Realbetrieb vergleichend getestet. Das Ergebnis ist ein technischer Ratgeber für die optimierte Betriebsführung von Wärmepumpensystemen im Bestand, der auch die Bewertung der Entwärmung, Speicherintegration und optimierten Heizlastauslegung umfasst.

Ökonomisch wird eine differenzierte Vollkostenanalyse über Investition, Wartung, Betrieb und Energiebezug erstellt. Daraus resultieren transparente Entscheidungsgrundlagen für eine wirtschaftlich tragfähige Betriebsführung sowie ein exemplarischer Betriebsführungsvertrag mit lernenden Anreizmechanismen.

Im sozialwissenschaftlichen Bereich wird ein skalierbares Best-Practice-Modell zur Begleitung von Sanierungen in Großwohnsiedlungen entwickelt. Mithilfe von Monitoring der Wohnzufriedenheit, partizipativen Formaten und Energielots:innen werden Akzeptanzfaktoren und wirksame Kommunikationsstrategien systematisch dokumentiert. Die Ergebnisse werden in Form von Berichten und Demonstrationsvideos aufbereitet.

Im Bereich der Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe werden lokale Biomassepotenziale identifiziert, Pyrolyseprozesse experimentell getestet und deren energetische Integration in das Quartierssystem bewertet. Es werden quantifizierte Potenziale zur Kompensation verbleibender Emissionen sowie übertragbare Modelle zur Schließung von Kohlenstoffkreisläufen auf Quartiersebene erwartet.

Ergänzend werden Erfolgs- und Risikofaktoren aus Planung, Umsetzung und Betrieb systematisch dokumentiert. Die rückblickende FMEA und der Soll-Ist-Vergleich liefern verallgemeinerbare Handlungsempfehlungen für zukünftige Transformationsprojekte.