Forschung
Entwicklung
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Klimawandelanpassung
Klimaschutz
Gesundheit und Wohlbefinden

Förderstelle

Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft - Stadt der Zukunft
Förderbetrag
€534 00
Konsortium
Institute of Building Research & Innovation
SOZIALBAU gemeinnützige Wohnungsaktiengesellschaft
Universität für Bodenkultur, Institut für Verfahrens- und Energietechnik
Vasko + Partner, Ingenieure, Ziviltechniker für Bauwesen und Verfahrenstechnik
Kurze Zusammenfassung
Das Forschungsprojekt Sani60ies entwickelt und demonstriert eine minimalinvasive Methode zur thermischen und energetischen Sanierung von Wohngebäuden aus den 1950er- und 1960er‑Jahren. Kern des Systems ist eine fassadenintegrierte Bauteilaktivierung, bei der Rohrregister zwischen Bestandswand und neuer Wärmedämmung verlegt werden. Dieses System ermöglicht sowohl eine deutliche Absenkung der Vorlauftemperaturen für den effizienten Betrieb von Wärmepumpen als auch eine Reduktion sommerlicher Überwärmung durch aktiven Wärmeentzug.
Ziele
Ziel von Sani60ies (Langtitel: Demonstration minimal invasiver thermischer und energetischer Sanierung klassischer Wohnhausanlagen der 1950er und 1960er Jahre) ist die Entwicklung und fundierte Bewertung des energetischen Verhaltens einer fassadenintegrierten Bauteilaktivierung. Es wurden die Grundlagen für eine skalierbare Lösung für die Heizungsumstellung bestehender, klassischer Wohnhausanlagen geschaffen und an drei Gebäuden demonstriert. Durch die Erfahrungen in der Errichtung und im Betrieb konnte die Technologie weiterentwickelt und verbessert werden.
Methodik
Das System wurde auf Grundlage von Berechnungen des zu erwartenden Wärmestroms mit vereinfachten linearen Modellen und mehrdimensionaler Wärmestromanalyse sowie thermischen Gebäudesimulationen entwickelt. Es wurde an drei Wohnanlagen der Sozialbau AG in Wien umgesetzt und umfassend messtechnisch begleitet. Weitere Untersuchungen wurden in der Doppelklimakammer der TU Wien durchgeführt.
Ergebnisse
Die Messungen in den Realobjekten bestätigen die modellierten Wärmestromdichten von rund 10 W/m² aktivierte Fassadenfläche im Heizfall und zirka 6 W/m² im Kühlfall. Während der Heizperiode 2024/25 wurde für die eingesetzten Luft‑Wasser‑Wärmepumpen eine Jahresarbeitszahl von 3,9 erreicht. Im Sommer 2024 konnte durch die Fassadenaktivierung die Innenraumtemperatur um durchschnittlich 1,5 K gesenkt werden.
Die Ergebnisse aus den Messungen in der Doppelklimakammer zeigen, dass ein vollflächiges Einputzen der Rohrregister den Wärmestrom, im Vergleich zu Ausführungen mit Luftzwischenräumen, bei einer Vorlauftemperatur von 43°C um etwa 14 % erhöht.
Insgesamt stellt das System eine praxistaugliche, minimalinvasive Lösung zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung im Gebäudebestand dar, die sowohl Heiz- als auch Kühlfunktionen bereitstellt, ohne Eingriffe in die Wohnungen erforderlich zu machen.